Barney B. Hallmann - Literaturinterpret - Kiel

Presse

Aus Liebe zur Literatur von Christian Zaschke

Interpret Barney B. Hallmann will, dass Texte leben und bewegen

Es war 1973, als Barney B. Hallmann (48) zum ersten Mal nach Irland kam. Das Land war grün, das wusste er, und überall war Musik, auch das hatte er vorher gewusst. Aber dann hat er sich in das Land verliebt, und so etwas kann man nicht vorher wissen. Die Liebe kommt immer überraschend und plötzlich aus dem Himmel.

Mit der Liebe zu Irland im Herzen kam Hallmann zurück nach Kiel. Diese freundlichen Menschen. Und diese Lieder. Die Iren singen, und viele ihrer Texte sind Literatur. Gedichte mit Klang, die nicht staubtrocken in den hohen Hallen der Kultur gelesen, ach was, rezitiert werden, sondern gesungen, und zwar im Pub.

Auch Barney Hallmann ist jemand, der die Literatur liebt, der nicht will, dass die Texte den Leuten vorgesetzt werden wie der Heilige Gral - bitte bloß nicht berühren. Er will, dass die Texte atmen, dass man die Tränen hört und fühlt an den traurigen Stellen, und dass man das Lachen sieht, wenn sich alles zum Guten wendet. Die Texte sollen leben. Also ist Barney B. Hallmann neben seinem Hauptberuf als Sachbearbeiter im Sozialamt der Stadt Literaturinterpret geworden. Einer mit Herz.

Er schenkt einen Whiskey ein, einen irischen natürlich, er stellt Wasser dazu, und erinnert sich an die Stationen. Wie es alles begann, damals, beim Kieler-Klinik-Funk. Da war er Moderator, und manchmal hat er sich schon getraut, eine Geschichte vorzulesen und ihr das Leben zu entlocken. Dann hat er den Hamburger Kulturdampfer "Das Schiff" besucht. "Da habe ich von Eberhard Möbius die Liebe zum Publikum gelernt", sagt Hallmann. Was nützt es, wenn man in der Ostseehalle vor Tausenden liest und niemanden sieht, wegen all der Scheinwerfer. Nein, Hallmann liest lieber vor 100, höchsten 120 Leuten. Es dürfen auch weniger sein. Hauptsache, es kommt etwas rüber. Hauptsache, er hat das Gefühl, bei den Leuten etwas bewegen zu können.

Mittlerweile ist Hallmann ein etablierter Literaturinterpret. Fünf Jahre lang hat er im Café oh Lee gelesen, seit September hat er seine Lesungen unter dem Titel "Literarischer Dämmerschoppen" ins Düppel 88 verlegt. Das Publikum schätzt Hallmanns Umgang mit den Texten, auch, weil er nicht übertreibt."Ich mache keine szenische Lesung", sagt er. Aber: "Ich interpretiere. Wer zuhört, hört immer auch meine Sicht auf den Text."

Er nennt das "Darstellen mit sprachlichen Mitteln". Wenn er zum Beispiel den "Trinker" von Fallada liest, dann wirkt er irgendwann so besoffen wie Harald Juhnke an seinen dunkelsten Tagen. Dann kippt er nacheinander Bier, Rotwein und Korn in sich hinein - "In Wirklichkeit sind es Apfelsaft, verdünnter Kirschsaft und Wasser", sagt Hallmann. In einer Schule hat er das mal vorgelesen, und die Schüler waren erst gebannt, dann begeistert.

Auch in Irland liest Hallmann mittlerweile, das ist ihm wichtig. In Rostrevor, County Down, Nordirland, hat er eine zweite künstlerische Heimat gefunden. In diesem Jahr macht er wieder mit beim Festival im Ort und geht auf literarische Pub-Tour. "Es gibt sieben Pubs in Rostrevor", sagt Hallmann," und in fünf davon werde ich lesen."

Dann gibt es ausnahmsweise auch mal ein Guinness zum Text.
Ein echtes.

Quelle
Wege ins Land, Das Kultur-Magazin der Kieler Nachrichten
Ein Artikel von Christian Zaschke, Oktober 2000

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