Barney B. Hallmann - Literaturinterpret - Kiel

Presse

Ein bisschen Schauspieler, ein bisschen Pastor
Von Jörg Meyer

Der Kieler Literaturinterpret Barney Hallmann feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum

Kiel- ,,25 Jahre Literaturinterpret": Barney Hallmann reicht zwölf eng bedruckte Seiten mit der Chronik seiner Programme über den Tisch im STATT-CAFÉ, wo er nach "Literarischem Dämmerschoppen", "Stunde", "Tempel", "Kabinett" oder "Stübchen" für seine "Literarische Lounge" eine neue regelmäßig belesene Bühne gefunden hat. Begonnen hat seine Begeisterung und seine "Mission" namens Literatur allerdings noch früher.

© Björn Schaller
Foto: Schaller

"Ich hab' als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen", erinnert ich der 56-Jährige. Neben den Büchern von Michael Ende und Astrid Lindgren faszinierten den gebürtigen Kieler, "Iren im Herzen" und regelmäßigen Gast auf der Hallig Hooge, seiner "dritten Heimat", auch schon früh "Theater und Verkleiden". Zwar wurde er in der ersten Klasse noch nicht wachgeküsst, weil er die Hauptrolle des Dornröschens aus lauter Lampenfieber kurz vor einem solchen Bühnendebüt schmiss, aber schon als 15jähriger war er treuer Abonnent der Kieler Bühnen.

Bis sich sein "Berufswunsch Schauspieler oder Pastor" erfüllte, brauchte es jedoch noch weitere Stationen wie Moderator im Klinik-Funk des Bundeswehrkrankenhauses in Kronshagen, wo er seinen Wehrdienst an der Waffe des Wortes ableistete, geladen von Tucholsky, Kästner und Ringelnatz, um nur die wichtigsten zu nennen.

Erste Rezitationen, wobei der Begriff nicht ganz stimmt. "Obwohl ich Interpretationen im Deutschunterricht hasste", erzählt Hallmann, "rezitiere ich nicht Literatur, sondern interpretiere sie. Das ist immer meine Sicht auf den Text." "Ich bin kein Wasserglasleser, der ganze Körpereinsatz muss dabei sein", beschreibt er seinen Stil. "Wenn im Text ein Schwein spricht, dann wird auch gequiekt." Insofern Schauspieler. Und da es bei Texten von politischen Autoren wie "Tucho" auch immer ums "Herz am linken Platz" geht, wofür man die Farbe von Hallmanns Markenzeichen, dem roten Schal, als Symbol sehen dürfe, sei er auch "ein bisschen Pastor" .

Lange bevor die als gesprochenes Wort inszenierte Literatur mit den Hörbüchern wieder in Mode kam, brach Hallmann eine Lanze für diese Kunst, Literatur unter die Leute zu bringen.

Seine Lesungen, die erste war im Oktober 1983 ein Ringelnatzabend in der Räucherei, widmet er dem Werk einzelner Autoren oder Themen. Wenn er diese Programme zusammenstellt, regt sich "meist schon beim ersten Lesen im Kopf eine Vorstellung, wie man das vorträgt". Das geschriebene Wort aus dem Gefängnis der Buchdeckel zu befreien, ist Hallmanns "ja, auch Mission".

Die reicht bis nach Irland, namentlich in die 5000-Seelen- Gemeinde Rostrevor. Dort findet alljährlich das Fiddler's Green Festival statt, das Hallmann seit den 70ern besucht und auch mit Literatur versorgt. Dass man beim "Literary Pub Crawl" von Kneipe zu Kneipe zieht, nicht nur um zu trinken, sondern auch Poeme zum Besten zu geben, ist ganz nach seinem Geschmack: Literatur hautnah und mitten im Leben.

Schon einige Jahre tritt er beim Crawl auf und bringt den Iren deutsche Dichter wie Ringelnatz oder Böll nahe. Auf Englisch, seiner "zweiten Muttersprache, obwohl ich in der Schule in Englisch richtig schlecht war". Im irischen Pub platzte der Knoten, als Barney Hallmann mangels einer brauchbaren Ubersetzung Ringelnatz' Gedicht Bumerang kurzerhand selbst übersetzte - oder sagen wir ruhig: kongenial nachdichtete.

So einen "Literary Pub Crawl" könnte er sich auch in Kiel vorstellen, obwohl man so eine Kneipenkultur hier erst etablieren müsse. Die "Literarische Lounge", die Hallmann seit Ende September im STATT-CAFÉ bestreitet, konnte ein Anfang sein. Aber erst steht bei ihm noch ein "harter Brocken" auf dem Lesepult. "Barlach - das ist starke Poesie, schon von der Schreibe her so expressionistisch, dass man als Interpret dafür den richtigen Ton finden muss."

Dass er genau diesen finden wird, dessen kann man gewiss sein - ein bissehen als Schauspieler, ein bisschen als Pastor, ganz bestimmt aber als Barney Hallmann.

Quelle
Kieler Nachrichten
Ein Artikel von Jörg Meyer, Oktober 2008

 

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